Lebensraum Streuobstwiese – Blühende Wiesen unter alten Obstbäumen

Streuobstwiesen bieten einen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen, sie liefern eine Fülle an Obst und keiner möchte sie in unserer Landschaft missen. Warum sind Streuobstwiesen so artenreich? Wie beeinflusst die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen das Vorkommen von Pflanzen und Tieren? Welchen Wert haben nun die Streuobstwiesen für die Natur und den Menschen?

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Die Strukturvielfalt, welche sich insbesondere durch die Kombination von Grünland und Gehölzen ergibt, der Nahrungsreichtum sowie eine extensive Bewirtschaftung ermöglichen diese außergewöhnliche Artenvielfalt. Baumhöhlen in alten, knorrigen Hochstämmen bieten neben Fledermäusen auch höhlenbrütenden Vogelarten wie beispielsweise dem Steinkauz und Wendehals einen Brutplatz. In unmittelbarer Umgebung finden diese Arten neben einem Brutplatz ein vielfältiges Nahrungsangebot, allerdings nur wenn die Wiese extensiv genutzt wird und auf einen Pestizideinsatz verzichtet wird. Die arten- und blütenreichen Wiesen gestatten blütenbesuchenden Insekten, wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen eine reiche Nahrungsgrundlage und bilden somit die Grundlage für andere räuberische Insekten. Auch das Totholz an älteren Bäumen ist ein wichtiger Lebensraum für Insekten. So nisten in den Fraßgängen von Käferarten beispielsweise Wildbienen.

Die Aktionsgruppe Streuobstwiese des neuen Streuobstwiesenkompetenzzentrums im Lallinger Winkel organisierte deswegen eine Führung unter dem Motto „Lebensraum Streuobstwiese – mehr als nur Obstbäume“ mit Prof. Dr. Markus Reinke und Rebekka Honecker von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. 20 interessierte Bürger*innen aus der Region entdeckten die beachtliche Vielfalt der Streuobstwiese der Familie Gruber in Lalling und hörten, warum der Erhalt dieser Schatzkiste so von Bedeutung ist.

Sie befassten sich vor allem mit den verschiedenen Pflanzen und Gräsern auf einer Streuobstwiese. So sammelten die Besucher einerseits von einer intensiv bewirtschafteten Fläche ca. lediglich 10 verschiedene Pflanzen, während auf der extensiv genutzten Streuobstwiese über 25 verschiedene Pflanzenarten eine unmissverständliche Antwort der Natur gaben: Schafgarbe, Glatthafer, Margerite, Hahnenfuß, wilde Möhre, Rot-und Weißklee, Johanniskraut, Spitzwegerich, Wiesen-Bärenklau, Malven uvm mehr. Prof. Dr. Markus Reinke erläuterte ganz explizit die Eigenschaften und Wichtigkeit der entdeckten Gräser und Kräuter. Die Streuobstwiesenbesucher ließen sich vom Professor und seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin in den Bann schlagen.

Nach der Verkostung  des naturtrüben, Apfelsaftes der IG-biozertifiziertes Streuobst Lallinger Winkel GbR – ein Produkt des Streuobstes waren alle begeistert von der Führung und den Wissenschaftlern aus Weihenstephan.

Einig sind und waren sich alle: Streuobstwiesen sind nicht nur ein herausragender Lebensraum, sie liefern auch eine beeindruckende Vielfalt an frischem Obst und daraus verarbeiteten Produkten. Streuobstwiesen sind eine Jahrhunderte alte Form der Obsterzeugung und damit ein typisches Element der Kulturlandschaft. Ihre charakteristische Doppelnutzung, d.h. die Nutzung des Obstes als auch des Grünlands, entweder als Mähwiese oder als Viehweide, hat heute oftmals an Bedeutung verloren. Auch wenn die Nutzung des Grünlands unter den Bäumen heute eine untergeordnete Rolle spielt, bieten die vielen Sorten aus regionalen Streuobstbeständen eine breitgefächerte geschmackliche Vielfalt.  Und nicht zu vergessen, sie kommen ohne lange Transportwege erntefrisch auf den Tisch. Das Potenzial von Streuobstwiesen ist ausgezeichnet.

Doch der Lebensraum Streuobstwiese ist bedroht. Eine ertragsorientierten Agrarpolitik einerseits und der Baulanderschließung andererseits musste ein großer Teil der Streuobstbestände prämiennotierte Rodungen, Umbruchsmaßnahmen oder der Anlage von Intensiv-Obstplantagen weichen. Aber auch Nutzungsaufgaben und fehlende Nachpflanzungen, welche für eine langfristige Bestandsicherung notwendig sind, führen zum Rückgang von Streuobstparadiese. Die Streuobsthochstämme vergreisen, die Streuobstbauern selbst werden auch nicht jünger.

Streuobstwiesen als maßgeblicher Teil der unserer Kulturlandschaft können nur dann bewahrt werden, wenn sie gepflegt und bewirtschaftet werden. Diese Schatzkisten werden nur eine Zukunft haben, wenn sich ihre Nutzung für die Besitzer*innen auch wirtschaftlich lohnt. Um die arbeitsaufwändige Ernte, Pflege und Erhaltung der Bestände zu honorieren, müssen für das Obst angemessene Preise erzielt werden. Es müssen gemeinsam tragbare und nachhaltige Konzepte zur Pflege und Nutzung von Streuobstwiesen entwickelt und umgesetzt werden. Engagierte Gruppen, die bei der Bewirtschaftung, Verarbeitung und Vermarktung neue Wege gehen, sind dafür notwendig.

Letztlich werden jedoch alle Aktivitäten zur Sicherung der Streuobstwiesen im Lallinger Winkel langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn das dort produzierte Obst auch Abnehmer*innen findet. UP

(v.l.) Bürgermeister Michael Reitberger, Rebekka Honecker, Prof. Dr. Markus Reinke, Maria Gruber, Christina Fuchs

 

Mehr zum Thema Streuobst im Lallinger Winkel: https://www.gruber-biostreuobst.de/

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