Eine starke Gemeinschaft für Apfel und Birne

Streuobstwiesenkompetenzzentrum Lallinger Winkel: Kommunen unterstützen, Hochschule forscht, Ministerium fördert

Eine Feierstunde mit Musikbegleitung hatten die Winkler zum Auftakt des Streuobstwiesenkompetenzzentrums organisiert: Bürgermeister Michael Reitberger begrüßte die Gäste, darunter (erste Reihe von rechts) die Initiatoren Maria und Peter Gruber, Vize-Präsident Prof. Dr. Markus Reinke von der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf mit Team, Staatsminister Bernd Sibler, Sparkassen-Vorstand Stefan Swihota und Vize-Landrat Josef Färber.

− Foto: Schreiber

Mehr Wert aus dem Lallinger Winkel zu schöpfen – das ist die Vision von Verwaltungsgemeinschaft- Vorsitzendem Robert Bauer aus Schaufling und seinen Bürgermeister-Kollegen. Besucher sollen nicht erst vor Ort davon überrascht werden, dass der Winkel eine Obstschüssel ist, wünscht sich Tourist-Info-Leiterin Christina Fuchs – sie sollen vielmehr schon extra deswegen kommen. Einen höheren überregionalen Bekanntheitsgrad und Wertschätzung, auch bei jungen Leuten, erhofft sich Mostkönigin Anna Lallinger. Die Streuobst-Bestände sichern, sich austauschen, neue Wege für die Bewirtschaftung finden – an Projekt-Ideen dazu mangelt es nicht, weiß Rebekka Honecker, Koordinatorin der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf. Initiiert von den Streuobst-Anbauern und -vermarktern Maria und Peter Gruber (siehe auch „Menschen am Samstag“ auf Seite 27) füllen sie nun das Streuobstwiesenkompetenzzentrum Lallinger Winkel mit Leben. Unterstützt von der Politik arbeiten sie weiter an der Vermarktung, die Hochschule erforscht praktische Themen rund um den Anbau von Apfel, Birne und Zwetschge – und gemeinsam will man so die Streuobst- Bewirtschaftung für die Zukunft aufstellen. Geld dafür gibt’s über Wissenschaftsminister Bernd Sibler vom Freistaat Bayern (rund 40 000 Euro) sowie von der Sparkassenstiftung. Zum Auftakt des Gemeinschaftsprojekts, das Wertschätzung, Touristen und damit auch Geld in den Lallinger Winkel spülen soll, sind Macher und Unterstützer am Donnerstagabend in der Grundschule Lalling von Bürgermeister Michael Reitberger empfangen worden: unter anderen Pfarrer Philipp Höppler, Vize- Landrat Josef Färber, die Bürgermeister Thomas Straßer (Hunding) und Robert Schwankl (Grattersdorf) waren dabei, ebenso ehemalige Bürgermeister, VG-Geschäftsstellenleiter Manfred Hunger, die Vertreter der Vermarktungs-Gemeinschaften, vom Naturpark, dem Tourismusverband Ostbayern, Landesamt für Landwirtschaft, Landschaftspflegeverband und Wissenschaftsministerium, Landkreis-Tourismusreferentin Inge Edmeier, Leader-Managerin Stefanie Frank, Genussmanager Lukas Dillinger vom Amt für Ländliche Entwicklung sowie die Vertreter der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Elena und Elias Barth. Das Streuobstwiesenkompetenzzentrum, auf das sie alle sich freuen, habe Bernd Sibler möglich gemacht, stellte Michael Reitberger fest. Der Minister findet es seinerseits „schön, dass wir endlich die Kraft auf die Straße bringen können“. Um das Kulturgut Streuobst zu würdigen, arbeiten nicht nur die Gemeinden Lalling, Hunding, Schaufling und Grattersdorf zusammen, weiß er, sondern auch die Menschen dort. Und mit der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf sei nun auch die Wissenschaft im Winkel angekommen. Dass Maria und Peter Gruber das Thema so engagiert angegangen und dabei so manche Zweifel überwunden haben, findet der Minister großartig. Auf ihre Initiative hin schaffe man nun einen „unique selling point“ für den Lallinger Winkel, man schaffe Sichtbarkeit und regionale Identität und tue nicht nur etwas für die Ökonomie, sondern auch für die Ökologie. Für diese Regionalität steht auch die Sparkasse, stellte deren Vorstandsvorsitzender Stefan Swihota fest. Die landschaftsprägenden Streuobstwiesen bilden den Charakter des Winkels. Das Engagement der Sparkassenstiftung für deren Erhalt habe Landrat Christian Bernreiter initiiert. Den vertrat Josef Färber in Lalling gerne: „Ich oute mich als Liebhaber des Winkels und der Streuobstwiesen.“ Die habe er schon als Schüler kennengelernt und sei seitdem davon fasziniert. Rund 10 000 Streuobst-Bäume mit gut 90 Sorten profitieren vom günstigen Klima im Talkessel Lallinger Winkel. Deren Bewirtschaftung hat schon seit rund 1000 Jahren Tradition und macht die Region zu etwas ganz Besonderem. Maria Gruber erklärte, was man unter Streuobst versteht: großwüchsige Obstbäume verschiedener Arten und Sorten in jedem Alter, die einzeln oder in Gruppen oder Reihen verstreut stehen. Wichtig ist dabei ein Abstand von jeweils acht bis zehn Metern. Bewirtschaftet werden die Streuobstwiesen im Lallinger Winkel meist im Nebenerwerb. Fällungsprämien, fehlende Pflege und Überalterung gefährden die Obstbaum-Bestände, so Maria Gruber. Dem muss man entgegenwirken – auch darum ist das neue Kompetenzzentrum so wichtig. Die Streuobstwiesen seien Anzeige nicht nur für das Landschaftsbild entscheidend und für die Produktion von hochwertigem, unbehandeltem Obst, von Säften, Most, Aufstrichen und Schnäpsen. Sie haben auch große Bedeutung für den Klimaausgleich, den Boden und den Wasserschutz. Bis zu 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten sind in den Wiesen zu Hause – Vögel, Fledermäuse, Insekten, Spinnen, Moose und Flechten zum Beispiel. „Dieser Lebensraum ist durch nichts zu ersetzen.“ Zur Arbeit an der Wertschätzung für das Streuobst gehört für Maria Gruber auch das Heranführen von Kindern und jungen Familien an die Natur. Vorstellbar sind für sie auch Schulungen wie zum Beispiel Baumschneidekurse. Zudem wolle man Anlaufstelle für Fachberatungen sein und die Arbeit und Produkte in Zusammenarbeit mit der Tourist-Info entsprechend, zum Beispiel in Informationsräumen, präsentieren. Die praktische Anwendung bei Anbau, Ernte und Verarbeitung ist der Inhalt der Forschung der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf. Das versicherte deren Vize-Präsident Prof. Dr. Markus Reinke: „Unsere Arbeit soll ja auch einen Nutzen für Sie vor Ort haben.“ Das Kulturgut Streuobst habe das verdient. Seit einem Jahr besteht der Kontakt zwischen den Lallingern und der Hochschule – und auch wenn der offizielle Auftakt wegen Corona auf September verschoben werden musste: Man arbeitet bereits seit März zusammen. An Vorträgen und Führungen war unter anderen auch Reinke selbst bereits beteiligt. Weitere Termine und Projekte finden sich auf lallingerwinkel.de.   

PNP / von Katrin Schreiber

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