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Trachtenjubiläum Lalling

Ein eindrucksvoller, von Domkapitular Manfred Ertl als Schirmherr zelebrierter Festgottesdienst ist im Mittelpunkt des 70jährigen Gründungsjubiläums des Trachtenvereins gestanden. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von den Lallinger Sängern, der Musikgruppe „drunter&drüber“ und dem „Frauen-Dreigesang“ aus Moos.

In der Festpredigt hielt der aus Lalling stammende Geistliche Rückschau auf die kurz nach Kriegsende beginnende Entwicklung des Trachtenvereins, in einer Zeit, in der die Spuren des Krieges noch deutlich sichtbar waren. Damals war der gewaltige Aufbruch wenige Jahre später nicht vorstellbar. Der Mensch brauche Hoffnung, Geborgenheit und eine Heimat. In Lalling fanden sich in dieser Zeit Menschen mit einer Vision. Sie gründeten in schwieriger Zeit einen Trachtenverein mit deutlichem Heimatbezug. Vor 45 Jahren entstand die Idee zum gemeinsamen Singen in geselliger Runde oder bei Gottesdiensten. Der Zelebrant ging danach auf das Evangelium des Tages ein, die stürmische Überfahrt der Jünger auf dem See. Auch bei den Menschen gebe es Sturmnächte, die es zu bewältigen gebe. Eine spürbare Klimaveränderung gebe es nicht nur in der Natur, sondern auch in der Gesellschaft. Viele Menschen fürchten sich vor der Zukunft, neue Mauern werden in den Herzen aufgebaut. Jeder solle die Botschaft Christi in die dunkle Welt hinaustragen, den Kopf nicht in den Sand stecken. Die Tracht ist mehr als ein Gewand, sondern drückt eine Gesinnung aus. Manfred Ertl segnete nach der Predigt die restaurierte Vereinsfahne und das Band der Fahnenmutter. Gabi Oswald heftete das Band sofort an die Vereinsfahne. Den Prolog sprach Julia Brandl. Nach dem Segen wurde gemeinsam die Bayernhymne gesungen.

Nach dem Gottesdienst ging es wieder im musikalisch von der Kirchberger Festkapelle und der Musikkapelle Ledawix begleiteten Festzug zurück ins Festzelt zum gemeinsamen Mittagessen. Elf Trachtenvereine und die Ortsvereine beteiligten sich am Jubiläumsfest.

In einem Grußwort gratulierte stellvertretender Landrat Eugen Gegenfurtner namens des Landkreises zum Jubiläum. Er dankte Allen, die in 70 Jahren Vereinsgeschichte den Verein zur heutigen Blüte verholfen waren. Er wisse er, wie schwierig es heute ist, Nachwuchs für Trachtenvereine zu finden. Umso erfreulicher sei die Jugendarbeit der Lallinger. Bürgermeister Josef Streicher zitierte in seinem Grußwort den Wiener Schriftsteller Stefan Zweig. Von ihm stammt der Ausspruch „Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt. Ich verspüre diesen Halt. Ich verdanke ihn meiner Heimat“. Dem könne er nur beipflichten, stellte der Gemeindechef fest. Heimat ist, wo man sich geborgen fühlt. Streicher gratulierte im Namen der Gemeinde dem aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenkenden Trachtenverein zum Jubiläum. Der Verein habe viele Jahre das Heimatfest veranstaltet. Mit der Tanzgruppe und der Jugendgruppe sorge er dafür, dass Volkstänze nicht in Vergessenheit geraten.

Gauvorstand Bernd Walter gratulierte im Namen des Trachtengaues Niederbayern. Einen großen Verdienst am heutigen Stellenwert des Vereins habe der langjährige Vorstand Sepp Oswald. In seiner Amtszeit habe die Jugendarbeit in Lalling einen großen Aufschwung genommen.

Die Vereinsführung nahm das Jubiläumsfest zum Anlass, langjährige aktive Mitglieder zu ehren. Vorsitzender Franz Weinmann, sein Stellvertreter Michael Klampfl, Fahnenmutter Gabi Oswald und Gauvorstand Bernd Walter zeichneten Fritz und Michael Lemberger, beide Zueding für 50 Jahre Vereinstreue aus, Josef Siedersberger, Rohrstetten für 60 Jahre. Seit 70 Jahren halten die Eheleute Ludmilla und Xaver Besl, Ranzing dem Trachtenverein die Treue. Xaver Besl ist Gründungsmitglied, war von 1954 bis 1967 Vorsitzender und wurde nach seinem Ausscheiden aus der Vereinsführung zum Ehrenvorsitzenden bestimmt. Eine aktive Mitgliedschaft von 70 Jahren in einem Verein, ist schon außergewöhnlich, wurde festgestellt.

Der Trachtenverein Alt-Miesbach aus München, mit dem die Lallinger Trachtler seit Jahrzehnten freundschaftlich verbandelt sind, hatte sich für das Jubelfest etwas Besonderes einfallen lassen. Vorstand Harry Fischer erinnerte daran, dass sie 1997 als Dank für die Übernahme einer Patenschaft ein Wegkreuz gestiftet haben, dass am Ranzingerberg am Forstweg beim Aufgang zum Guntherstein aufgestellt wurde. An dem Kreuz ist kein Kruzifix angebracht. Christine Fischer, die neue Fahnenmutter der Alt-Miesbacher hat zum Jubiläum den Lallingern einen Kruzifix aus Blech gestiftet, der nächstes Jahr an dem Kreuz angebracht wird. Blech wurde gewählt, da früher aus Kostengründen für Feldkreuze eben dieses Material verwendet wurde

Text und Fotos: Schröck

 

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